Es gibt Bücher, die über das Bittere sprechen. Und dann gibt es Bücher, die erklären, warum wir das Bittere mögen. Amaro. Ein italienischer Geschmack von Massimo Montanari gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als einer der maßgeblichsten Ernährungshistoriker Italiens beschränkt sich Montanari nicht darauf, die Entstehung von Digestif-Likören oder klösterlichen Rezepten zu erzählen: Er entwirft eine regelrechte kulturelle Biografie des Bitteren und untersucht, wie und warum der bittere Geschmack einen privilegierten Platz im italienischen Ritual des Mahlabschlusses erobert hat.

Das Bittere: vom Makel zum Zeichen der Reife

Für Liebhaber von Amari liegt hier genau der zentrale Punkt des Buches: Das Bittere ist kein unmittelbarer Geschmack; es ist weder so verführerisch wie das Süße noch so beruhigend wie das Salzige. Es ist ein „erwachsener“ Geschmack, der Bildung, Erfahrung und Erinnerung verlangt. Montanari nimmt uns mit auf eine Reise, die in der Antike beginnt – als das Bittere mit Medizin und Reinigung verbunden war – und über die Tradition klösterlicher Elixiere bis zur Entstehung moderner Amari als Symbol italienischer Identität führt.

Aus dieser Perspektive ist der Abschluss des Essens nicht nur ein Moment der Verdauung: Er ist ein soziales Ritual, eine abschließende Geste, die Geselligkeit und Gespräch besiegelt. Wer Amaro liebt, weiß genau, dass es nicht nur darum geht, einen Likör zu trinken: Es ist eine Pause, ein Innehalten, eine letzte Unterschrift unter das Abendessen.

Ein Buch für alle, die Amaro trinken (und über ihn nachdenken)

Die Stärke des Bandes liegt darin, dass er folgende Bereiche miteinander verbindet:

  • gastronomische Kultur
  • Anthropologie des Geschmacks
  • Sozialgeschichte
  • Ritualität der Geselligkeit

Erwarten Sie kein Verkostungshandbuch und keinen Führer zu den besten italienischen Amari: Hier geht es um Ideen, Symbole und die kulturelle Konstruktion des Geschmacks. Es ist ein Buch, das die Erfahrung jener bereichert, die bereits gern nach dem Abendessen einen bedeutenden Amaro nippen — vielleicht meditativ, vielleicht mit alpinen Kräuternoten oder zitrischen und harzigen Nuancen.

Nach der Lektüre dieser Seiten wird jedes kleine Glas ein anderes Gewicht haben: Es wird das Ergebnis von Jahrhunderten der Entwicklung des westlichen Gaumens sein.

Warum es lesen, wenn man Amari liebt?

Weil es Ihnen hilft zu verstehen:

  • Warum das Bittere das Mahl besser „abschließt“ als das Süße
  • Warum der bittere Geschmack mit Tiefe und Reife verbunden ist
  • Warum Italien zur Heimat der Amari geworden ist
  • Warum der Mahlabschluss ein identitätsstiftendes Ritual ist und nicht nur eine Frage der Verdauung

In einer Zeit, in der Mixology und die Wiederentdeckung von Traditionen die Amari zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit bringen, liefert dieses Buch die kulturellen Wurzeln eines Phänomens, das viele nur auf sinnlicher Ebene erleben.

Abschließend

Amaro. Ein italienischer Geschmack ist eine kurze, aber dichte Lektüre, perfekt für alle, die Amaro nicht als einfachen Digestif, sondern als kulturellen Akt begreifen.

Es ist das ideale Buch, um es mit einem Glas neben sich zu lesen. Vielleicht langsam. Vielleicht, indem man jene so hartnäckig italienische Bitterkeit ihre Geschichte bis zum Ende erzählen lässt.