Für Liebhaber von Amari liegt hier genau der zentrale Punkt des Buches: Das Bittere ist kein unmittelbarer Geschmack; es ist weder so verführerisch wie das Süße noch so beruhigend wie das Salzige. Es ist ein „erwachsener“ Geschmack, der Bildung, Erfahrung und Erinnerung verlangt. Montanari nimmt uns mit auf eine Reise, die in der Antike beginnt – als das Bittere mit Medizin und Reinigung verbunden war – und über die Tradition klösterlicher Elixiere bis zur Entstehung moderner Amari als Symbol italienischer Identität führt.
Aus dieser Perspektive ist der Abschluss des Essens nicht nur ein Moment der Verdauung: Er ist ein soziales Ritual, eine abschließende Geste, die Geselligkeit und Gespräch besiegelt. Wer Amaro liebt, weiß genau, dass es nicht nur darum geht, einen Likör zu trinken: Es ist eine Pause, ein Innehalten, eine letzte Unterschrift unter das Abendessen.